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Pfarrei St. Verena

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Die Pfarrei St. Verena


und
die Kirchgemeinde


                                                         

Aus dem Buttisholzer Buch

Josef Hurter

1. Kirchgemeinde

Die Kirchgemeinden wurden vom Staate nach der Französischen Revolution geschaffen. Der Übergang vom Altherkömmlichen zur neuen Ordnung vollzog sich in Buttisholz, bedingt durch die Privatkollatoren der Familie Pfyffer-Feer, nicht ganz schmerzlos. Die letzten Abrechnungnen vor der Französischen Revolution für die Pfarrkirche, die Kapellen und die Bruderschaften erfolgten noch im Schloss. Die Rechnungen der Jahr 1798 und 1799 visierte Jakob Bucher, Präsident der Munizipalität, und jene der Jahre 1800 bis 1807 wurden von Kollator Jakob Pfyffer-Feer ratifiziert. Die Rechnungen 1808 bis 1813 wiesen keine Genehmigung auf. In dieser Zeit fand die Auseinandersetzung mit dem Kollator statt. Sie begann damit, dass sich 1808 die vier Pfleger der Kapellen und Bruderschaften weigerten, ihre Rechnung einem „Partikulatoren“ abzulegen. Der Kollator beschwerte sich beim Kleinen Rat zu Luzern. In den Jahren 1809 bis 1812 fanden verschiedene Verhandlungen statt. Die führten zum Kirchenreglement vom Jahre 1812, das am 16. Christmonat gleichen Jahres vom Schultheiss und Kleinen Rat zu Luzern genehmigt wurde. Seither gibt es in Buttisholz die Kirchgemeinde, die Kirchgemeindeversammlung und die Rechnungskommission.

Dem Kirchenrat, bestehend aus sieben Mitgliedern, obliegt die Verwaltung der Kirchgemeinde, Renovationen und Unterhalt der kirchlichen Gebäude, Anstellung und Besoldung des Personals.

Der Kirchensprengel Buttisholz umfasste um 1800 das Dorf, die Allmend und die äusseren Höfe. Im Jahre 1808 erhielt die Kirchgemeinde im grossen und ganzen ihre heutigen Grenzen. Damals erhielt Buttisholz von der Pfarrei Grosswangen Neuhus und Schwande, von der Pfarrei Ruswil, Stalte, von der Pfarrei Nottwil Hütte, Roth, Eglisberg und Ninewäg, von der Pfarrei Sursee Hetzlige, Farnerehüsli, Michelhüsli, Karishus, Wacht, Zinzerswil, Spanere, Dönihus, Gabrielhüsere, Eistock, Loch, Guggehuse, Hinterwald, Gumele, Brotchübel, Hübeli und Lütebüel. Kurz darauf kam auch Meieberg zu Buttisholz. Auf den 1. Januar 1981 fand die letzte Grenzveränderung der Kirchgemeinde Buttisholz statt. Damals teilte die Synode der römisch-katholischen Landeskirche von der Kirchgemeinde Nottwil die Höfe Under-, Mittel- und Obergattwil mit der St. Anna-Kapelle Buttisholz zu.

Zählte die Kirchgemeinde Buttisholz 1808 bereits 1393 Bürger, bekennen sich 1985 2068 Personen zur katholischen Konfession. 88 Personen gehören zur evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Sursee. 16 zu einer anderen oder keiner Konfession.

 

2. Die Pfarrei lebt

Eine Pfarrei hat nicht nur Grenzen. In ihr leben Menschen, die sich von Christus geliebt, erlöst wissen. Seit Jahrhunderten sammeln sich in der Pfarrei jene, die an Christus glauben und ihm nachzufolgen suchen. Die katholische Pfarrei weiss sich immer auch als Teil einer grösseren Gemeinschaft. Die Pfarrei Buttisholz gehört zum Dekanat Sursee und seit 1828 zum Bistum Basel, vorher zum Bistum Konstanz. Die Pfarrei lebt in der Gemeinschaft mit dem Bischof, der in Einheit mit dem Papst steht.

Höhepunkt und Mitte des Pfarreilebens ist der Gottesdienst, der die Pfarrei aufbaut, belebt und stärkt. Darum ist das regelmässige Teilnehmen so wichtig für die Erhaltung eines lebendigen Glaubens, der immer neu verkündet, gehört, gelebt und gefeiert werden will. Hilfe im religiös-sittlichen Leben sind echte Beheimatung, Bräuche und Gewohnheiten in Familie und Pfarrei: Das gemeinsame Beten, Feiern und Spielen, das Lesen der Heiligen Schrift, das Grossgebet an den Fastensonntagen, das Fastenopfer, Bittgänge, Prozessionen, Rosenkranz, Andachten, Rorate-Messen, Wallfahrten. Wichtig ist auch das Engagement möglichst vieler für die Gestaltung der Liturgie, Kirchenchor, die Organisten, Jugendchor, Liturgiegruppe, Lektoren, Kommunionhelfer, Frauen für Kindergottesdienste, Frauen für Kirchendekorationen, der Sakristan. Für die Glaubensunterweisung wirken mit dem Pfarrer auch der Kaplan, die Katecheten und die Lehrerschaft. Erste und wichtigste Katecheten sind die Eltern.

Die Pfarrei lebt besonders durch den Kontakt der Leute miteinander, mit Neuzugezogenen, Ausländern und durch das Engagement jedes Einzelnen in konkret gelebter Nächstenliebe.

Im Dienste sozialer Anliegen wirken die Familienhilfe, die Mütterberatung, der Kinderhort, der Krankenpflegeverein. Auch die kirchlichen Vereine und Gruppen beleben die Pfarrei.

Eine wichtige Aufgabe hat der Pfarreirat, der hier seit 1973 wirkt. Er hilft aktiv und beratend in der Seelsorge. Er dient der Zusammenarbeit aller Gruppen, Vereine und Interessen. Die Einheit und Gemeinschaft der Pfarrei fördert er auch durch Pfarreiwallfahrten, Pfarreiapéros, Ausländersonntage und Erwachsenenbildung. Ein schönes Zeichen von gelebtem Glauben in den vergangenen Jahrzehnten sind nebst gesunden, gläubigen Familien die vielen geistlichen Berufe, die in diesem Jahrhundert aus Buttisholz hervorgegangen sind. Sie sind alle - soweit bekannt, in diesem Buch zusammengestellt. Der Kontakt mit den Missionaren und Missionarinnen aus unserer Pfarrei hält uns offen für die Anliegen der weltweiten Kirche und gibt uns viele Zeugnisse gelebten Glaubens.

Mögen sich auch in Zukunft viele junge Menschen aus unserer Gemeinde ganz in den kirchlichen Dienst stellen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich eine grosse Zahl von Pfarrern – zusammen mit Vikaren und Kaplänen – für unsere Pfarrei und Gemeinde eingesetzt. Wir wollen ihnen dafür dankbar sein und uns an sie erinnern.

Dem Leben der Pfarrei dienen auch unsere Pfarrkirche, die Kapellen, Bildstöckli und Wegkreuze.

Gott möge auf die Fürbitte der hl. Verena und der hl. Ottilia unsere Pfarrei im christlichen Glauben und in der Liebe zu Gott und untereinander erhalten.

 

3. Geschichte unserer Pfarrkirche St. Verena

Der sichtbare Mittelpunkt der Pfarrei ist die Pfarrkirche, das Gotteshaus. Hier empfangen die Kinder die Taufe und werden als Kinder Gottes in die Pfarrei aufgenommen. Hier versammeln sich die Getauften zum Lob und zur Anbetung Gottes, zur Eucharistiefeier, wo sie genährt und geeint werden durch das eine Brot und das eine Wort. Hier finden Sünder Vergebung, Trauernde Trost, Bittende Hilfe und Kraft. Um die Kirche herum ruhen in den Gräbern unsere Verstorbenen.

Die früheren Kirchen

Wenn die Kirche von Buttisholz im Jahre 1036 erstmals erwähnt wird, so kann man annehmen, dass sie schon längere Zeit bestanden hatte. Auch das Patrozinium St. Verena deutet auf eine Gründung im frühen Mittelalter hin.

Von 1036 bis 1303 besass das Stift Beromünster das Patronatsrecht von Buttisholz, dann ging es an das Domkapitel zu Konstanz über. „Kirchensatz“ – „Patronat“ – „Kollatur“ bedeutet: Recht auf Besitzungen und Einkünfte, Recht auf Pfarrwahl, aber zum Teil auch Pflicht zum Bau und Unterhalt von Kirche und Pfarrhaus sowie zur Besoldung des Pfarrers.

Nachdem die Kirche 1375 anlässlich der Guglerschlacht zum Teil verbrannte, ist 1425 von einem Kirchenbau die Rede. 1462 wurden der Muttergottesaltar, 1484 der Sebaldenalter eingeweiht.

Nachdem die Kollaturrechte 1526 vom Domkapitel Konstanz an Junker Ratsherr Jakob Feer von Luzern übergingen – er bezahlte dafür 994 Rheinische Gulden – wurde 1583 eine neue Kirche mit Sakristei, Ringmauer und Beinhauskapelle, die zuerst dem heiligen Blasius geweiht war, gebaut.

Die archäologischen Grabungen im Jahre 1985 in der Pfarrkirche brachten zu Tage, dass die Vorgängerkirchen vermutlich südlich der heutigen Kirche standen. So wurde die heutige Kirche zum teil auf dem damaligen Friedhof gebaut, wie die über hundert ausgegrabenen Skelette beweisen. Näheres über die Grösse und Form der früheren Gotteshäuser fand man nicht, weil sich die Grabungen nur auf das Kircheninnere beschränkten.

 

Die heutige Pfarrkirche

Bau und Weihe

1744 kauften die Gebrüder Feer von Emmen die Kollatur, die Besitzungen und den „Grossen Zehnten“ in Buttisholz, für 37500 Gulden. Sofort wurde der Bau einer neuen, grösseren, barocken Kirche beschlossen. Baumeister war Domini  Aeby von Luzern. Der Kollator ernannte sechs „Ausgeschossene“ (Baukommission), unter ihnen den tüchtigen Kirchmeier Mathias Ziswiler. Im Jahre 1745 wurden im Schützenrain (nahe der Mariahilf-Kapelle) durch 30 Mann Steine gegraben und gesprengt. Viele Steine für Säulen, Chorbogen, Türme und Wände sowie für die Weihwasserbecken stammen aus dem Steinbruch im Hohrütiwald. Aus dem Bachbett der Rot wurde eine Menge Böllersteine herbeigeschafft. Die „Ausgeschossenen“ beschlossen den Kauf von Holz, Kalk, Ziegeln, Gips, Eisen und Kupfer und Zinn.

Am 25. März 1745 wurde in der alten Kirche das letzte Mal die Messe gefeiert.

Dann begann der Abbruch. Handwerksleute gruben das Fundament des Turmes und des Gotteshauses, so dass am 10. Mai bereits der Grundstein gelegt werden konnte. Von der alten Kirche wurden die Portale zur Sakristei und zum Turm sowie das Sakramenthäuschen von 1616 in die neue Kirche eingebaut. Der Bau ging so rasch voran, dass die Zimmerleute noch im Sommer den Dachstuhl aufrichten konnten. Sofort wurde ein Altar  eingerichtet und am 15. August schon wieder das erste Messeopfer dargebracht.

Nun wurden der Turm und der Glockenstuhl vollendet. Noch heute sehen wir da einen gewaltigen Balken mit der Jahrzahl 1745. Der Turm benötigte 30000 eichene Schindeln. In der Pfarrmatte goss man zwei neue Glocken, die zusammen mit drei alten am 9. November 1745 in den Turm gezogen wurden. Der Kirchenbau, die Altäre, die Glocken und die Orgel kosteten 28486 Gulden 39 Schillinge 3 Angster. Alles wurde von den Kollatoren bezahlt. 1751 liessen sie den heutigen Pfarrhof bauen.

Erst am 27. August 1753 wurde die Kirche eingeweiht. Die feierliche, versiegelte Urkunde ist noch im Pfarrarchiv und ist unterzeichnet vom damaligen Weihbischof von Konstanz, Franziscus Carolus Josephus Fugger.

Er weihte die Kirche zu Ehren der hl. Verena, den Hochalter zu Ehren der Muttergottes Maria und der Apostel Peter und Paul, den Altar in der Mitte (damals unter dem Chorbogen) zu Ehren des heiligen Kreuzes, den linken Seitenalter zu Ehren der Heiligen Verena, Katharina und Barbara, den rechten Seitenalter zu Ehren der Heiligen Sebald, Antonius und Agatha. Als Kirchweihfest setzte der Bischof den letzten Sonntag im August fest.

Ausschnitte aus den Turmdokumenten

Einige interessante Angaben liefern uns die beiden Denkschriften von 1817 und 1874, die bei der Öffnung der Turmkugel am 17. März 1983 gefunden wurden. Im ersten Dokument ist unter anderem folgendes zu lesen:

„den 21. Heumonat 1817 ist die vergoldete Kugel samt Kreuz durch den Zimmermeister Balz Schmidlin und Deckmeister Mauritz Köchli aufgesteckt worden. … Im Jahre 1788 traf der Donnerstrahl den Kirchturm, schlug neben der Zeittafel gegen Sonnenuntergang ein, schlängelte sich neben den Glocken hinab und an dem oberen Rand der Thür vorbei, wo man durch den Turm auf die Orgel geht, liess sich wieder bei der hl. Verena-Altar in Vorschein, schwärzte ohngefähr ein Drittel von den oberen und unteren Rahmen dieser Altarblätter und legte sich wieder ruhig zur Kirche hinaus zur Erde. Dieser Strahl schadete weiter nichts. Bei genannter Zeittafel hob er einen Stein heraus, ohngefähr wie eine grosse Kegelkugel, schleuderte ihn schnell über das Dorf und liess ihn unten am Dorf in die Matten fallen. Damals war der H. H. Franz Xaver Schindler, Pfarrer und Sextar allhier.

Im Jahre 1804 den 5. Herbstmonat zu nachts geschah durch gottlose Kirchenräuber ein Einbruch in die Sakristei, wo 2 Monstränze, vier Kelche samt anderen Silbergerätschaften gestohlen wurden, sozwar, dass man morgens darauf 2 Kelche in St. Ottilien abholen musste, dass die zwei geistlichen Herren allda Mess halten konnten.

Im Jahre 1805 wurde der Kirchendachstuhl gebunden, weil man wegen gewissen Rissen und Spälten befürchtete, das ganze Kichengebäude möchte nach und nach zertrümmert werden.“

Im Jahre 1828 erhielt die Pfarrkirche zwei neue Emporen und 1834 eine neue Orgel. Orgelbauer war der bekannte Franz Anton Kiene in Langenargen am Bodensee. Zum 100jährigen Bestehen der Pfarrkirche beschloss der Kirchenrat 1846 eine totale Innenrenovation. Mit den Meisterstukkateuren Gebrüder Moosbrugger vom Tirol und dem Vergolder Josef Studhalter von Luzern wurde ein Vertrag geschlossen. Alle Altäre wurden repariert und teils verändert. Neben dem Hochaltar wurden zwei Kredenztischchen angebracht. Der alte Tabernakel war zu klein und unbequem. Darum wurde ein neuer Tabernakel mit drei in Winden laufenden Nischen angefertigt, die erste vergoldet, die zweite himmelblau mit Sternen besät, die dritte marmoriert. Verzierungen und Bilder mussten neu gefasst und vergoldet werden. Der Kanzelhut wurde herabgesetzt und eine Rückwand aus Gipsmarmor verfertigt. Der grosse Sarg mit den Reliquien der hl. Viktoria, der seit 1826 auf dem Kreuzaltar stand, versetzten sie unter den Altartisch, weil der die Sicht auf den Hochalter behinderte.

Beim Dorfbrand am 16. August 1861 blieben Kirchen und Pfarrhaus verschont. In der Denkschrift von 1874, verfasst von Pfarrer Jakob Leu, ist weiter zu lesen:

„Im Jahre 1824 schlug der Blitz in den Kirchturm. Schon brannten die Randschindeln. Da wurde Zimmermann Balz Schmidlin von der Luternau an einem Seil auf die brennende Stelle herabgelassen und konnte mit einer Axt die brennenden Schindeln weghauen.

Am 31. August 1874 wurden die neuvergoldete Kuppel und das Kreuz wieder an die Stelle gebracht.

Im Jahre 1871 wurde die Pfarrkirche samt Beinhaus-Kapelle von innen und aussen renoviert im Innern: ein neuer Zementplattenboden gelegt, die Wände bemalt, die Verzierungen um die Gewölbe mit Gold angelegt und die Kirchen- und Chorstühle neu firnisiert. Diese Renovation der Kirche und Kapelle kostete nach genauen Berechnungen 9'238 Fr. 13 Cent. Und wurde aus dem Bruderschaftsvermögen bezahlt. Die zwei Fenster im Chor und das Orgelfenster mit Glasmalereien wurden erstellt vom Glasmaler Röttinger in Zürich und kosteten 1000 Franken.

Die zwei Gemälde in den Seitenaltären wurden im Jahre 1874 vom Kunstmaler P. Deschwanden in Stans, die Ölgemälde von F. Stirnimann geliefert, letztere jedoch von Herrn Deschwanden vollendet. Das Chorbogengemälde wurde gleichzeitig von Deschwanden renoviert.

Die Kosten für alle Gemälde kamen auf 1000 Franken. Den Betrag für die Gemälde als auch für die Fenster übernahm der Pfarrer, unterstützt von den wohltätigen Pfarrgenossen, deren Namen im Jahrzeitenbuch eingetragen sind.“

Aus der Denkschrift von 1874

Das Vermögen der Kirche und Kapellen und Pflegeschaften beträgt nach der Rechnung dieses Jahres:

a) Pfarrkirche und S. Sebald        Fr.         51'390.06

b) Beinhauskapelle                        Fr.         11'163.37

c) St.-Barbara- und Katharina-

und Theodulbruderschaft               Fr.          8'351.29

d) Rosenkranzbruderschaft           Fr.          4'006.95

e) Sebastiansbruderschaft           Fr.             516.01

f) St.-Ottilien-Kapelle                     Fr.         39'995.64

Total                                                 Fr.      123'310.92

 

1881 erhielt die Kirche einen Blitzableiter, 1890 fünf neue Glocken aus der Giesserei Rüetschi AG in Aarau, 1970 elektrisches Licht und 1911 wieder einen neuen Tabernakel.

Erweiterung und Renovation der Kirche 1913 bis 1914

Weil die Kirche durch die Vergrösserung der Pfarrei und die Zunahme der Bevölkerung schon lange zu klein war, liess Pfarrer Bernhard Schnarwiler (1908 – 1947) durch den Architekten Adolf Gaudy in Rorschach die Erweiterung der Kirche planen. An der Kirchgemeindeversammlung vom 2. Februar 1913 wurde über diesen Plan heftig diskutiert, weil einige Gegner die Notwendigkeit einer Vergrösserung klar bestritten. Von den 369 stimmfähigen Bürgern waren 226 anwesend. 181 stimmten für die Erweiterung, 34 dagegen.

Um die Kirche nach hinten um neun Meter verlängern zu können, mussten zuerst 81,7 m2 Land erworben werden. Das führte zu einem energischen Kampf zwischen dem Pfarrer und seinem Nachbarn. Die ganze Angelegenheit konnte schliesslich doch gütlich erledigt werden.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 25. März 1914. Trotz des Krieges gingen die Arbeiten zügig voran.

Gebaut wurde das Querschiff hinten in der Kirche mit je einem Eingangstor links und rechts, dazu die Empore mit der grossen Flachkuppel darüber. Das Vorzeichen mit den alten Säulen, das früher mit dem Eingangstor nach Westen hin stand, wurde vor das südliche Eingangstor hin verlegt. Weil die Kirche nun hinten breiter und länger wurde, konnte 160 m2 mehr Platz gewonnen werden.

Gleichzeitig mit der Vergrösserung und Renovation wurde eine Kohlenheizung eingebaut, die erst 1951 auf Ölbetrieb umgestellt wurde. Sämtliche Flächen wurden neu gestrichen, die Ornamente und Leisten vergoldet. Der Boden erhielt Kunststeinplatten. Erst 1915 kamen die drei Deckenbilder von Kunstmaler Georges Troxler in unsere Kirche. Josef Heimgartner, Kunstmaler von Altdorf, malte das grosse Bild in der Kuppel und vier Heiligenbilder. Auch die Kanzel und Altäre wurden renoviert.

Die neue Orgel mit 22 Registern lieferte die Orgelbaufirma Goll in Luzern für 12820 Franken.

Die ganze Renovation samt Erweiterung und Orgel kostete total Fr. 143999.09. Daran bezahlte die St.-Ottilien-Kapellen-Stiftung Fr. 13000.-, die Michaelskapelle Fr. 8000.-. Fast die Hälfte wurde gespendet, Fr. 10350.- erbrachte der erste Verkauf von Plattengräbern, die 1909 bis 1928 errichtet wurden. Es blieb eine Anleihe von 40000 Franken.

Aussen – und Innenrestauration 1983 bis 1986

Von 1920 bis 1980 gab es an der Pfarrkirche keine grossen Veränderungen. 1938 musste sie gereinigt und gestrichen werden. 1956 erneuerte die Orgelbaufirma Pürro, Willisau, die Orgel und entfernte dabei das wurmstichige Kienegehäuse, 1967 wurden im alten Teil der Kirche neue Bänke erstellt. In den sechziger Jahren zog man die Renovation der Turmuhr und des ganzen Turmes in Betracht. In der Folge kam immer mehr die Überzeugung auf, dass die ganze Pfarrkirche restauriert werden müsse. Die Kirchgemeindeversammlung bestellte 1978 eine Studienkommission, die auch als Planungs- und Baukommission bestehen blieb.

In Zusammenarbeit mit den kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflegen wurde die Gesamtrestaurierung der Kirche geplant. Am 25. Oktober 1982 beschloss die Kirchgemeindeversammlung die Aussenrestauration, am 28. Juni 1984 die Innenrestauration, die dann 1985/86 ausgeführt wurde. Das Jahr 1984 war gekennzeichnet durch den grossen Kirchenbazar.

Zur restaurierten Kirche gehört auch eine erneuerte, lebendige Pfarrei. Wie zur Restauration der Pfarrkirche müssen dazu ebenfalls alle beitragen. So bleibt die Kirche, was sie sein soll: Haus Gottes und Mittelpunkt der Pfarrei.

 

4. Kapellen, Bildstöckli und Wegkreuze

St.- Michaels-Kapelle

Als Eingang zum Friedhof, Kirche und Pfarrhof steht die Kapelle seit 1583. Renoviert wurde sie 1745, 1847, 1918 und 1975/76.

In den früheren Jahrhunderten diente sie als Beinhauskapelle. Hier wurden Schädel und Gebeine aus alten Gräbern aufbewahrt.

Bei der letzten Restaurierung kamen Fresken aus dem Leben des heiligen Blasius zum Vorschein. Ihm wurde 1632 der Altar geweiht. Heute steht Erzengel St. Michael in der Mitte des schönen Altars aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Er kämpft mit dem Teufel um einen verstorbenen Menschen. Neben ihm stehen die heiligen Blasius und Eligius, über ihm Maria und zuoberst der Schutzengel mit einem Kind. Wie schon in den letzten Jahrzehnten dient die Kapelle zur Aufbahrung der Verstorbenen. Bei der letzten Restauration wurde dazu ein versenkbarer Katafalk eingebaut.

Mariahilfkapelle

An der Strasse nach der Allmend liegt die Kapelle Mariahilf. Schon Mitte des letzten Jahrhunderts stand da eine ganz kleine, baufällige Kapelle. Hier betete das Volk um Abwendung böser Hagelwetter. Kirchenrat Peter Egli machte 1845 beim Entzug der Freischaren das Gelübde, die Kapelle neu aufzubauen, damit die Gottesmutter immer in dieser Kapelle verehrt werde. Sohn Josef Egli löste 1854/56 das Gelübde seines Vaters ein.

1944 wurde die Kapelle erweitert und renoviert. Das alte Mariahilfbild kam auf die Empore der Pfarrkirche. Die im alten Bürgerheim Stalte gefundene Muttergottesstatue (um 1500 entstanden) wurde um Hände und Jesuskind ergänzt und in die Kapelle gestellt, zur Seite die Heiligen Theodul und Rochus. 1980 wurde die Kapelle wieder renoviert, ein neues Türmchen aufgesetzt und 1981 eine neue Glocke geweiht.

In der Kapelle wird täglich die Glocke geläutet und jeden Freitag der Rosenkranz gebetet.

St.-Anna-Kapelle

Zum 400jährigen Bestehen der Kapelle liess der Pfarrer von Nottwil, unterstützt von vielen Wohltätern, im Jahr 1974/75 die schöne Kapelle in Gattwil renovieren. Auf den 1. Januar 1981 kam sie gemäss Synodalbeschluss an die Pfarrkirchenstiftung Buttisholz. In der Kapelle werden St. Anna selbtritt (Maria und Jesus sitzen je auf einem Arm der Mutter Anna) und als zweiter Patron der heilige Wendelin verehrt. An den Wänden sind die Bilder der vierzehn heiligen Nothelfer, neben dem Altarbild die Statuen von Johannes dem Täufer und Magdalena. Alle Anwohner aus den Gemeinden Nottwil und Buttisholz lieben ihre Kapelle sehr. Ein- bis zweimal im Monat wird da die Heilige Messe gefeiert.

St.-Katharina Kapelle

Bei den Höfen Neuhus steht die einfache Wegkapelle, die aus dem Jahre 1814 datiert. Das Altarbild stellt die heilige Katharina von Alexandrien dar. Erfreulich ist, dass bis heute zu bestimmten Jahreszeiten von Bewohnern im Neuhus der Rosenkranz in der Kapelle gebetet wird.

Soppisee-Kapelle

Zwischen den Gehöften steht der schlichte Bau mit einer Rundbogenöffnung. Im Innern befindet sich eine Altartafel aus dem 17. Jahrhundert mit Christus am Kreuz. Davor steht die vor 1500 entstandene Statue St. Anna selbtritt. Die Kapelle dürfte aus dem Jahre 1632 stammen. Renovationen erfolgten 1888 und 1928.

Bildstöckli oder Helgenstöckli

Typisch für katholische Gegenden sind nebst den Kapellen auch die kleinen Bildstöckli, die meist den Gekreuzigten, ein Heiligenbild (ein Helgen) oder eine Statue enthalten. Sie laden den Vorübergehenden zu stillem Gebet ein. In unserer Gemeinde finden sich zwei Bildstöckli in Hetzlige, je eines in Brüggere, auf dem Weg nach Schwande, beim Kreuz auf dem Luternauerfeld, am Soppisee und in der Ruswiler Roth.

Wegkreuze

„Unter Pfarrer Hans Conrad Lüthard (1641 – 1664) wurden 1654 auf allen drei Feldern und auch auf der Allmend vier spanische Kreuze aufgerichtet, die mit Reliquien versehen wurden zum Schutze gegen die Unwetter und Viehkrankheiten zum Gedächtnis an das bittere Leiden Christi.“ Diese Notiz aus dem Pfarrarchiv zeigt, warum auf vielen Höfen noch heute ein Kreuz steht. Weitere Kreuze erinnern an tödliche Unfälle. Nebst den vier Kreuzen der Korporation stehen noch 13 weitere in der Gemeinde.

 

5. Pfarrer in Buttisholz


1268                  Burkhard von der Winon, erster nachweisbarer Pfarrer

1473 – 1490     Johannes Egerer, Nürnberg
                            Dem Altar des heiligen Sebald, der Patron der Stadt Nürnberg ist, 
                            vermachte der Pfarrer seine Hinterlassenschaft.

1567                  Johann Bucher, Eschenbach

                            Er wurde am 17. Juni von seinem Bruder erstochen.

1567 – 1575     August Nägeli, Willisau

1580 – 1591     Gabriel Baumer, Beromünster

1591 – 1596     Jakob Felix, Luzern

1596 – 1598     Rochus Baumgartner, Luzern

1598 – 1605     Johannes Kremmel, Bremgarten

1905 – 1612     Martin Räber, Gelfingen

1612 – 1614     Niklaus Fläcklin, Luzern

1614 – 1622     Jodok Meyerhans

1624 – 1634     Melchior Lüthard, Muri. 1634 bis 1657 Pfarrer in Ruswil, wo er
                            das Pfarrhaus bauen liess

1634 – 1640     Wolfgang Bühlmann, Emmen.
                            Er begann das erste Taufbuch.

1641 – 1664     Johann Conrad Lüthard, Muri

1664 – 1670     Franz Fleischlin, Luzern

1670 – 1708     Johann Jakob Studer

1709 – 1734     Johann Dominik Studer

1734 – 1751     Josef Leonz Ludwig Pfyffer, Altishofen

1751 – 1769     Johann Baptist Franz Josef Leopold Sereni, Luzern

1769 – 1805     Franz Moritz Martin Schindler, Luzern. Grosser Förderer der
                            Erziehung und Bildung der Jugend. Auf seine Initiative hin baute
                            Buttisholz das erste Schulhaus.

1805 – 1838     Josef Vinzenz Schlegel, Luzern. Verfasser der Denkschrift von 1817
                            in der Turmkuppel. 1826 feierliche Übertragung der Reliquien der
                            Märtyrerin Viktoria.

1839 – 1867     Alois Waldis, Luzern. Erhielt 1834 die erste Volksmission
                           (vgl. Chorbogenkreuz), gründete den Missionsverein und
                            Herz-Mariä-Bruderschaft. 1824 entstand die Kirchen-
                            Instrumentalmusik. Er verfasste das erste St.-Ottilien-Büchlein.
                            Er war ein guter Erzieher und Förderer des religiösen Lebens.

1867 – 1894     Jakob Leu, Hohenrain. Erneuerer der Pfarrkirche, Verfasser der Denk-
                           schrift von 1874. Gründer der Kaplanei (1886). Als grosser Förderer
                           der Schule berief der die Menzinger Schwestern als Lehrerinnen. Er 
                            setzte sich ein für das Wohl der Armen und für die 1868 errichtete
                            „Armenanstalt“. Mit besonderem Glanz wurden Maiandachten und
                           Rorateämter gefeiert. Er sorgte für guten Kirchengesang. Nach seiner
                           Resignation lebte er noch bis 1910 in der Schuelmatt.

1895 – 1908     Johann Baptist Meier, Willisau. Pfarrer Meier gründete 1907 den
                           Katholischen Volksverein.

1908 – 1947     Bernhard Schnarwiler, Eschenbach. Nebst der Erweiterung und
                           Renovation der Pfarrkirche gründete er den Marienverein, den
                           Krankenpflegeverein, die Herz-Jesu-Bruderschaft, den Mütterverein,
                           die Jungmännerkongregation, den St.-Verena-Verein als Träger
                           der Haushaltungsschule in Hetzlige und den katholischen Turnverein.
                           Er war Dekan und Domherr, ein eifriger Seelsorger, Förderer der
                           Schule, der guten Presse, der Priester- und Ordensberufe. Er leitete
                           die kantonalen Wallfahrten. Er starb 1955 in der Kaplanei.

1947 – 1977     Alfred Scherrer, Willisau-Land. Guter Betreuer der Vereine,
                           Gründer von Jungwacht, Blauring und Arbeiterverein, Erneuerung 
                           der Liturgie nach dem Konzil, Sorge für die Erhaltung und Vertiefung
                           des Glaubens durch Predigt, Andachten und Volksmissionen. In seine
                           Amtszeit fielen viele Primizen und Ordensprofesse von Buttisholzern.

1977 – 1989     Josef Hurter, Schwarzenberg, guter Betreuer der Vereine,
                            Neugründung des Blauring, Mitschreiber des Buttisholzer Buches

Seit 1990          Eduard Birrer, Altishofen

 

 
 

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